Schulentwicklung Stadt Hameln

17.02.2019

Maßnahmen/Umsetzung:

Zu 1. Ob eine Schule gut ist oder nicht, ist keine Frage der Schulform, sondern hängt überwiegend von der Qualität des Kernprozesses Unterricht ab. Und das ist abhängig von den handelnden Personen an der Schule (Lehrer-innen und Schulleitung). Wenn sie es schaffen, den Unterricht gut zu gestalten, gelingt Schule, egal welche Form. Moderner Unterricht ist nicht ein Alleinstellungsmerkmal einer bestimmten Schulform (z.B. IGS.) (Nachweis: Australischer Pädagogik-Forscher Hattie, Rangliste der Einflussgrößen / Neue Pisa-Studie: „Schüler sind nur so gut wie ihre Lehrer“)

Guter Unterricht braucht gute und motivierte Lehrer-innen und guter Unterricht erfordert personelle und räumliche Anpassungen. Das gilt für alle Varianten. Keine Schulform kann und will und darf sich überkommene Unterrichtsmethoden leisten. Dazu sind vom Schulträger die räumlichen und sächlichen Voraussetzungen zu erfüllen (z.B. differenziertes Raumangebot, Digitalisierung, Entlastung von Bürokratie, …) Besonders gefordert ist hier das Land Niedersachsen (Lehreraus- und -fortbildung, Erstellung von modernen Curricula, Sozialarbeiter-innen).

Zu 2. Ein echtes differenziertes und ausgewogenes Angebot existiert wirklich nur bei Viergliedrigkeit. Weil nur hier eine Wahlmöglichkeit besteht. Je nach Bedürfnis der Schülerinnen und Schüler können auch Alternativen zur IGS und Gymnasium gewählt werden.

Zu 3. Schulformen, die nicht in ausreichender Anzahl im Landkreis angeboten werden, sollten in der Stadt Hameln zu Auswahl geführt werden. Nur so ist die Forderung, dass Hameln das vielfältige Bildungszentrum des Landkreises sei, umsetzbar.

Zu 4. Die Umgestaltung der Schule vom Lernort zum Lebensort durch Ganztagsbeschulung ist ein langfristiges Ziel.

Denn nicht allein die Ausdehnung der täglichen Schulzeit führt zur Erfüllung dieser Forderung. Das ganze System muss sich dem anpassen. Das ist in allen Schulformen umsetzbar. Auch übersichtliche Real- oder Oberschule haben sich auf diesen Weg gemacht bzw. können das leisten.

Zu 5. Die geforderte Durchlässigkeit und individuelle Förderung lässt sich am besten durch ein breites Angebot herstellen. Jede Schulform ist nach oben offen und führt bei entsprechenden Abschlüssen zu einer Weiterentwicklung des einzelnen Schülers.

Zu 6. Die strukturelle Klarheit/Transparenz des Schulsystems ist zu gewährleisten.

Das Erfüllen dieser Forderung ist nicht zu leisten durch die bloße Verringerung der Anzahl der Schulformen. So wird aus der Diskussionder Workshops zum Schulentwicklungsprozess berichtet, dass man nur bei der Zweigliedrigkeit von einer strukturellen Klarheit sprechen könnte. Die Eltern müssten nur zwischen zwei Wegen entscheiden. Hier werden die Eltern für dumm erklärt. Alle Eltern, die sich über ihre Kinder Gedanken machen, werden in der Lage sein, drei oder vier statt zwei Schulformen abwägen zu können. Die Transparenz erhöht man nicht durch Weglassen von Möglichkeiten, sondern nur durch eine gezielte Information und Beratung.

Zu 7. Besondere Bevölkerungsstrukturen einzelner Stadtteile erfordern ggf. eine bestimmte Schulstruktur, also Schulformen, die sich den speziellen Erfordernissen anpassen können. Hierbei sind auch die Schulwegentfernungen zu berücksichtigen.

Zu 8. Die Vernetzung der Schulformen auf horizontaler und vertikaler Ebene ist ein Voraussetzung für gelingende Durchlässigkeit der Schulformen und somit eine Sicherstellung des individuellen Bildungsanspruchs der Schülerinnen und Schüler. (z.B. Kooperationen,) und horizontal (z.B. Bildungshäuser, stadtweite Koordination der gymnasialen Oberstufen).

Zu 9. Der Zusammenhang Elternhaus – Bildungsniveau besteht. Die Kinder bildungsferner Elternhäuser haben oft große Probleme beim Erreichen eines höherwertigen Abschlusses. Aber das lässt sich nicht durch eine bestimmte Schulform besser oder schlechter reparieren. Die Annahme, nur eine IGS wirkt der Abhängigkeit des Schulabschlusses von der gesellschaftlichen Stellung der Eltern entgegen, wird von der Wissenschaft nicht uneingeschränkt unterstützt. (Prof. Klaus Zierer: „Strukturelle Veränderungen alleine bewirken wenig. Sie können nur Wirkung erzielen, wenn die Lehrpersonen die Struktur zum Leben erwecken und ihr Handeln darauf abstimmen.“)

Der Ansatz für eine Bildungsgerechtigkeit muss viel früher schon im Elternhaus geschehen. (Beratung, Unterstützung, Kindergartenpflicht, aber auch das Aufzeigen von Verantwortlichkeiten bei der Kindererziehung, ggf. Verlängerung der Grundschule bis Klasse 6.) Warum nur eine IGS allein die Kompetenz haben soll, hier heilend eingreifen zu können, vermag man nicht nachzuvollziehen. Eine gut geführte Ober- oder Realschule kann hier mindestens ebenso viel bewirken. Es ist notwendig, dass alle Schülerinnen und Schüler den Zugang zu einer Ganztagsschule erhalten.

Zu 10. Die effiziente Umsetzung der Inklusion ist in hohem Maß von der individuellen Situation des/der Schülerin/Schülers abhängig. In allen Schulformen sind daher individuell angepasste Maßnahmen zu ergreifen, um benachteiligten Schülerinnen und Schülern die vollen Bildungschancen zu geben. Es zeigt sich, dass hierbei kleine übersichtliche Systeme – egal welcher Schulform – vorteilhaft sind.

Umsetzung:

  • Es ist für Hameln zunächst der Erhalt der Viergliedrigkeit anzustreben.
  • Als Alternative ist dennoch zu überlegen, ob im Bereich Hameln Südstadt eine weitere IGS einzurichten ist, die die Aufgaben der vorhandenen Oberschulen übernehmen kann. Diese Vorgehensweise würde zu einer faktischen Dreigliedrigkeit führen. Ggf. ist das Problem längerer Schulwege zu beachten.
  • Das Angebot einer Realschule ist im Bereich der heutigen THR sicherzustellen.
  • Ebenso ist das gymnasiale Angebot in seiner Vielfalt zu sichern, (einschließlich Bestandsschutz des AEG.). Die gymnasialen Oberstufen der BBSen können das Bildungsangebot einer neuen IGS erweitern.
  • Wo es möglich erscheint, ist die Kooperation der Schulformen durch sog. Bildungshäuser anzustreben.
  • Vom Schulträger sind bei allen Schulformen die räumlichen und sächlichen Voraussetzungen zu erfüllen (z.B. differenziertes Raumangebot, Digitalisierung, …)
  • Die Stadt Hameln hat als Schulträger Einflussmöglichkeiten auf Randbedingungen, die die Stadt attraktiver für qualifiziertes Lehrpersonal machen: Hohe Lebensqualität für Freizeit und Erholung durch hochwertiges Wohnen zu bezahlbaren Preisen, Unterstützung bei Suche nach attraktiven Grundstücken, vielfältiges schulunabhängiges Kultur-, Sport- und sonstiges Freizeitangebot.

Von der Verwaltung muss genauer ermittelt werden, welche infrastrukturellen Maßnahmen in Hameln erforderlich sind, um als besonders attraktiver Arbeits- und Wohnort für Lehrpersonal und andere Beschäftigte des gesamten Bereichs der Bildung zu gelten.

 
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