Ein „Hameln 21“ soll verhindert werden

25.03.2011

Heute gründet sich Bürgerinitiative gegen geplanten Ausbau der Nordtrasse für Güterverkehr

Hameln (CK). Was lange währt, wird noch längst nicht immer gut. Das jedenfalls meinen Hamelner, die in der Nähe der Eisenbahnstrecke Löhne Hameln-Elze wohnen und um ihre Lebensqualität fürchten. Hintergrund: Nach einer Untersuchung des Bundesverkehrsministeriums könnte diese Trasse, die mitten durch die Stadt führt, für den Güterverkehr zwischen dem Ruhrgebiet, Berlin und Osteuropa zu einer der wichtigsten, weil rentabelsten Routen der Zukunft werden. Doch das wollen die Betroffenen und als solche sehen sich die meisten Anwohner der vor rund 20 Jahren rückgebauten Trasse nicht hinnehmen. „Sie alle haben Angst, dass ihre Lebensqualität massiv leidet, sagt der Hamelner Rechtsanwalt Rüdiger Zemlin.

Denn bereits vor einigen Wochen hatte Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann eine Zahl von etwa 12000 Bürgern – vor allem in Afferde, entlang der Karlstraße, des neuen Teils des Scharnhorstviertels oder aber des Hohen Feld – genannt, für die die neue Streckennutzung zu einer Belastung werden könnte. Denn wo heute noch Personenzüge schnurren und darüber hinaus täglich nur ein bis zwei Güterzüge fahren, könnten in vielleicht zehn, spätestens 15 Jahren Güterwaggons im Viertelstundentakt vorbeirattern.

Zemlin hat sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die heute im Hamelner Anwaltshaus eine Bürgerinitiative gründen will, und zwar in Form eines Vereins. Dass die einen langen Atem brauchen wird, ist ihm klar, aber: „Jetzt können wir noch politisch arbeiten. Gibt es erst einmal Beschlüsse, muss man den Rechtsweg beschreiten. Aber auch den schließt Zemlin namens seiner Mitstreiter nicht aus, sollte es denn notwendig werden. Vorerst aber wird man sich nach den Worten des Juristen auf einen „Kampf mit Wort und Schrift“ beschränken.

Auch der FDP-Stadtverband, dem Zemlin angehört, lehnt die neue Ost-West-Trasse, die auf dem alten Schienenweg aufbauen soll, konsequent ab. Grundsätzlich ist die Verlagerung von Gütern von der Schiene auf die Straße zwar richtig. „Das aber erfordert modernste Trassen, die auch dem zunehmenden Verkehrsaufkommen der Zukunft gewachsen sein werden“, sagt sie. Solch eine moderne Trasse sollte nach ihren Worten eigentlich bei Minden und von dort über Haste und Seelze entstehen, und dort gab es in der Bevölkerung auch keinen nennenswerten Widerstand. Jetzt nimmt der Bund vermutlich Abstand von diesen Plänen, weil er die hohen Kosten für einen Neubau und das lange Verfahren scheut, denn bei den neusten Untersuchungen für den Bundesschienenwege-Bedarfsplan ist die Route zugunsten der Planungsvariante „Nordroute“ – eben die durch die Rattenfängerstadt führende – durchgefallen. „Eine Billiglösung auf dem Rücken und zulasten unserer Bürger“, wettert Ina Loth. Sie fürchtet neben dem Lärm noch weitere negative Folgen für Hameln: „Die zahlreichen Schranken würden bei einem erhöhten Aufkommen, wie es dann zu erwarten ist, zu unzumutbaren Verkehrssituationen in Hameln führen und die Stadt in zwei Hälften teilen – eine für die Stadtentwicklung schwierige Situation“, sagt sie.

Wobei allerdings die Lärmbelastung für sie das schwerwiegendste Argument ist. Vor allem in der Nähe von Weichen und an den zum Teil nur zwei Meter von der Trasse entfernt stehenden Häusern käme es beim Ausbau des bestehenden Schienenweges zu unzumutbaren Belastungen, glaubt sie. Und schließlich: „Experten sagen, man müsse den Lärm dort bekämpfen, wo er entsteht, also an den Rädern. Bei Waggons, die aus Portugal oder Polen kommen, haben wir aber gar keinen Einfluss darauf, ob deren Technik modernen Standards entspricht.“ Dass sowohl die Protestler als auch die Mitglieder der neuen Bürgerinitiative einen langen Atem für ihren Widerstand brauchen, scheint allen klar zu sein. Andererseits: „Mit der Einstellung, das dauert ja noch’ ist es auch zum Ärger bei Stuttgart 21 gekommen. Und ein „Hameln 21“ wollen wir nicht“, so Loth. Hier am Reher Weg rückt die Bahntrasse bis an die Vorgärten – bei einem Ausbau befürchten die Anwohner Schlimmes.

Quelle: DEWEZET

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